Nano_Editing_Network_Interface_02

Installation eines virtuellen Webservers

Schritt 1: Virtualisierungssoftware

Als erstes benötigen wir eine Virtualisierungssoftware. Die bekanntesten Produkte dieser Spezies sind Oracle’s VirtualBox und VMware’s VMware-Player. 

Welche Software letzten Endes verwendet wird, sollte je nach Einsatzzweck und persönlichen Preferenzen entschieden werden. Ich persönlich bin bisher mit der Lösung von VMware am besten gefahren. Meine Entscheidung fiel auf VMware, da wir in unserem Unternehmen VMware vSphere einsetzen und somit die Übertragung der lokal aufgesetzten Maschinen auf den Unternehmensserver einfacher fällt.

Nachdem wir uns für eine Software entschieden, diese runtergeladen und installiert haben, können wir mit der Einrichtung der ersten Maschine fortfahren.

Schritt 2: Maschine erstellen

Zunächst starten wir den Download unseres Betriebssystems. In dieser Beschreibung verwende ich einen Ubuntu Server 12.04.1 LTS. Meine Wahl fiel auf Ubuntu, da diese Distribution sehr schnell und einfach zu konfigurieren ist. Ferner findet man zu Ubuntu die meisten Dokumentation und Tutorials. (In diesem Zusammenhang sollte die Seite http://wiki.ubuntuusers.de erwähnt werden.)

Einstellungen einer lokalen VM
Beispieleinstellungen einer VM

Als nächstes richten wir eine neue Maschine ein und orientieren uns bei der Konfiguration an folgenden Eckdaten. Sofern es die Ressourcen eures Rechners zulassen, könnt ihr gerne auch höhere Werte eingeben:

  • 1 GB RAM (sollte genügen)
  • 20 GB Festplattenplatz (sollte mehr als ausreichend sein)
  • 1 CPU Kern
  • Netzwerkanschluß

Die heruntergeladene ISO unseres Betriebssytems mounten wir nun als Laufwerk in die VM. Je nach Virtualisierungssoftware muss man u. U. vorab die Maschine starten.

Tipp: Nur die Maschine einrichten. Dazu die Option “I will install the operating system later.” auswählen. Andernfalls wird die Virtualisierungssoftware das Setup automatisch durchführen und dies führt i.d.R. zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Schritt 3: Setup

Wenn soweit alles richtig gelaufen ist, solltet ihr nun eine Sprachauswahl vor euch haben. Sollte der Setup bereits laufen, habt ihr meinen Tipp nicht befolgt ;). In diesem Fall könnt ihr den Schritt 3 überspringen und direkt mit Schritt 4 weitermachen. Vorher könnten für euch jedoch folgende Links interessant werden:

Alle anderen führen nun folgendes aus:

  1. Sprache “Deutsch” wählen
  2. Ubuntu Server installieren” wählen
  3. Beim Hinweis über fehlende Übersetzungen “JA” wählen
  4. Als Land “Deutschland” wählen
  5. Tastatur-Erkennung “JA
  6. Nun “+” und “y” tippen und die erkannte Tastatur mit “weiter” bestätigen

Das Setup wird nun geladen. Anschließend kommen wieder einige Abfragen, die Ihr mit euren Wunschdaten beantwortet:

  1. Rechnername
  2. Vollständiger Name des Benutzers
  3. Benutzername
  4. Passwort (zwei Mal)
  5. Persönlichen Ordner verschlüsseln: “Nein
  6. Zeitzone bestätigen, sofern diese stimmt
  7. Bei der Festplatten-Partitionierung “Geführt – gesamte Platte verwenden und LVM einrichten” – so hat man später die größtmögliche Flexibilität (z.B. beim Umziehen der Maschine oder beim Vergrößern der Festplatte ).
  8. Anschließend die bei Schritt 2 erstellt Festplatte auswählen (sollte im Normalfall nur eine sein) und das ganze noch ein mal Bestätigen (Achtung: hier ist das “Ja” auf der linken Seite)
  9. Das vorgeschlagene Volumen übernehmen und erneut auf der linken Seite bestätigen
Setup-Fenster eines Ubuntu Servers
Setup-Fenster eines Ubuntu Servers

Das System wird nun installiert… Zwischendurch werdet Ihr nach eurem Proxy-Server gefragt. Hier einfach leer lassen – sofern ihr keinen habt. Anschließend lädt das System zusätzliche Pakete runter.

Es folgt eine Abfrage über automatische Updates. Hier wähle ich i.d.R. “Sicherheitsupdates automatisch installieren“, jedoch scheiden sich da die Geister. Einige Entwickler sind der Meinung, dass Updates immer geführt vom Administrator installiert werden sollten – ich finde, dass eine gute Applikation nicht durch einen Update kaputt gehen sollte und ein stabiles System immer up-to-date bleiben muss… Ihr dürft hier also selber wählen.

Softwareauswahl während des Ubuntu Server Setups
Softwareauswahl während des Ubuntu Server Setups

Das Setup stellt euch nun eine Liste an Software bereit die ihr mit installieren könnt. Hier “OpenSSH Server” und “Samba File Server” wählen. Die Auswahl erfolgt mit Hilfe der Pfeiltasten und der Leertaste – anschließend mit “Enter” bestätigen.

Die Frage über den GRUB-Bootloader mit “Ja” beantworten und kurz darauf ist das Setup abgeschloßen. Das System bietet uns an, einen Neustart durchzuführen und wir nehmen dieses Angebot an. ;)

Schritt 4: Netzwerkkonfiguration

Als nächstes müssen wir unsere Netzwerkeinstellungen vornehmen, damit wir eine feste IP haben und per SSH auf die Maschine zugreifen können.

Wir loggen uns mit unserem Benutzernamen und Passwort (haben wir bei der Installation vergeben) ein.

Es ist normal, dass bei der Passworteingabe nichts zusehen ist (keine Sternchen, etc.) – einfach Passwort tippen und mit “Enter” bestätigen.

Wir wechseln nun in das Verzeichnis /etc/network und öffnen die Datei interfaces im Shell-Editor.

Ich arbeite bevorzugt mit dem Editor “nano” und alle Tastenkürzel und Befehle die ich im Folgenden beschreibe sind für diesen Editor gültig.

Wir sehen nun folgende (oder ähnliche) Ausgabe vor uns:
Nano_Editing_Network_Interface_01Die beiden Zeilen für den loopback lassen wir auf jeden Fall unverändert. Was wir hier primär verändern möchten ist der Eintrag für den DHCP. Also ändern wir die Zeile

wie folgt ab:

Unsere Datei müsste nun wie folgt aussehen:
Nano_Editing_Network_Interface_02Natürlich müsst ihr für euer Neztwerk sinnvolle IP-Adressen eingeben. Mit [Strg+X] (Schließen und Speichern) [Y] (“Ja” überschreiben) [Enter] (Dateiname bestätigen) schließen und speichern wir unsere Änderungen. Anschließend starten wir mit folgendem Befehl die Netzwerk-Verbindung neu.

Nun testen wir, ob alles wie gewünscht funktioniert. Der Befehl ifconfig sollte uns unsere soeben eingegebenen Einstellungen zeigen. Ferner kontrollieren wir die Verbindung nach Außen mit dem Befehl ping google.de (der Ping wird mit [Strg+C] beendet und endet nicht automatisch wie bei Windows). Zum Schluß testen wir die interne Verbindung mit ping 192.168.2.1 (bzw. eine für euer Netwerk sinnvolle und existente IP-Adresse).

Schritt 5: SSH-Client

Nun da unser Server läuft und eine feste IP hat, können wir endlich weg von der Konsole innerhalb unserer Virtualisierungssoftware und mit einem schönen SSH-Client arbeiten. Ich bevorzuge den schlanken und einfachen PuTTY in Kombination mit MTPuTTY (MT = Multi-Tabbed).

Im Folgenden einige Screenshots mit den Einstellungen meines Puttys.

Schritt 6: Installation relevanter Komponenten

Apache Web-Server

Als erstes brauchen wir auf unserer Maschine einen Webserver. Der bekannteste Vertretter dieser Spezies ist der Apache. Ebenfalls namhafte Alterantiven wären nginx und lighttpd. In unserem Fall bleiben wir jedoch bei dem Indianer und installieren diesen mit folgendem Befehl:

Nach der Installation sollte das System den Apache nun starten und wir können dies sofort testen, indem wir unseren Maschine (in meinem Fall “vm02″) im Browser aufrufen. Alternativ können wir auch die IP-Adresse der Maschine verwenden. In meinem Fall würden die Aufrufe http://vm02/ bzw. http://192.168.2.201/ lauten. Wenn alles richtig funktioniert, sollten wir folgenden Screen vor uns haben:

Apache It Works

PHP5

Als nächstes installieren wir uns die Scriptsprache PHP in der Version 5.

Nach der Installation testen wir indem wir in das Standard-Zielverzeichnis von Apache wechseln und dort eine Index-PHP-Datei, die uns die Informationen unseres Servers ausgibt, anlegen. Anschließend rufen wir die Datei über unseren Browser auf.

Wir schließen und speichern die Datei mit [Strg+X], [Y], [Enter] und rufen anschließend die Datei im Browser auf. In meinem Fall lautet der Aufruf http://vm02/index.php

phpinfoMySQL-Server und phpMyAdmin

Nun fehlen uns noch die Datenbank sowie das Datenbank-Managemen-System (DMS). Der MySQL-Server ist ein sehr weit verbreitetes Datenbanksystem, welches häufig zusammen mit PHP eingesetzt wird. Und vermutlich aus genau diesem Grund gibt es auch ein, auf PHP basierendes, DMS für MySQL ;).

Logischerweise fangen wir mit dem MySQL-Server an:

Während des Setups werden wir vom System aufgefordert, ein Passwort für den root-User zu vergeben und durch wiederholte Eingabe zu bestätigen. Nach der Installation machen wir mit phpMyAdmin weiter.

Das Setup möchte während der Installation von uns erfahren, ob wir Apache oder Lighttpd verwenden. Wir wählen “apache2″ aus, indem wir die Option mit der [Leertaste] markieren und anschließend mit [Enter] das Setup fortsetzen. Bei der Frage, ob phpMyAdmin für uns die Konfiguration übernehmen soll, wählen wir die Antwort “Ja”. Als nächstes möchte das Setup von uns das Passwort für den administrativen Benutzer erfahren. Damit ist das zuvor vergeben Passwort für den MySQL-ROOT-User gemeint. Nachdem wir das Passwort eingetippt und [Enter] gedrückt haben, müssen wir nun noch ein Passwort für phpMyAdmin vergeben und durch wiederholte Eingabe bestätigen. Nach der Installation können wir sofort auf phpMyAdmin zugreifen indem wir im Browser ein /phpmyadmin an die URL unseres Servers dran hängen. In meinem Fall lautet der Aufruf http://vm02/phpmyadmin, dessen Ausgabe wie folgt aussieht: phpmyadminWir können uns mit dem Benutzer root und unserem zuvor vergebenen Passwort anmelden.

Schritt 7: Samba-Konfiguration

Samba haben wir bereits während des Setups von Ubuntu installiert und sollten es nun konfigurieren, damit wir das Verzeichnis /var/www als ein Laufwerk auf unserem Computer mounten können.

Aus diesem Grund bearbeiten wir die Datei smb.conf im Verzeichnis /etc/samba

Mit Hilfe der “Bild runter”- und “Bild rauf”-Tasten können wir uns schnell durch die Datei bewegen. Wir scrollen bis an das Ende der Datei und definieren hier eine windowsfähige Freigabe für das Verzeichnis /var/www.

 

[Strg + X], [Y], [Enter]

Unsere Freigabe wird in Zukunft als “htdocs” angezeigt und wir gewähren jedem in unserem Netzwerk Lese- und Schreibrechte. Gleichzeitig definieren wir, dass das Schreiben über die Freigabe im Namen von www-data erfolgt.

www-data ist der Standard-User von Apache – auf diese Weise gibt es keine Schwierigkeiten mit den Berechtigungen…

Zum Schluß legen wir fest, dass der Besitzer des Verzeichnisses /var/www der User www-data ist und starten den Samba-Dienst neu.

Im Windows-Explorer sollte nun unsere VM auftauchen und das Verzeichnis htdocs bereitstellen. Das Verzeichnis enthält die beiden index-Dateien und es muss uns möglich sein, neue Dateien anzulegen.

explorer_01 explorer_02 explorer_03 explorer_04

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